Aus der um 1390 erbauten Burg der Falkensteiner entwickelt sich eine Burg- und Schlossanlage, die bis heute besonders in dem inzwischen renovierten „Landgrafenschloss“ erhalten ist. Landgraf Philipp von Hessen-Butzbach (1609 - 1643) hatte sich ein neues Residenzschloss mit ausgedehnten Parkanlagen erbaut. Hier wurde der Fürst auch von seinem Mitstreiter in Sachen Astronomie und Mathematik Johannes Kepler, dem kaiserlichen Astronomen, mehrmals besucht. Unter der verwitweten Landgräfin Elisabeth-Dorothea von Hessen-Darmstadt stieg noch einmal die Bedeutung des Städtchens (1688-1709).
Vorausgegangen waren der unselige 30jährige Krieg und zahlreiche Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Drangsalierungen der Bevölkerung, die Butzbach auf den Tiefstand seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung als Stadt gelangen ließen. „Glück im Unglück“ hatte die Stadt allerdings über lange Jahre durch die Anwesenheit des sich politisch weitgehend neutral verhaltenden Landgrafen Philipp, so dass Butzbach bis zu dessen plötzlichen Unfalltod 1643 als ein „Hort des Friedens“ galt. Danach hatte die bis dahin weitgehend kriegsverschont gebliebene Stadt bis 1648 umso mehr zu leiden. Seit 1741 ist ganz Butzbach hessisch.
Das Landgrafenschloss ist seit 2002 Sitz der Stadtverwaltung Butzbach. Von 1819 bis 1896 diente es als Kavallerie-, von 1897 bis 1918 als Infanteriekaserne. Von 1919 bis 1935 war hier eine Kaserne der hessischen Schutzpolizei eingerichtet, danach – bis 1945 – die Kaserne der Deutschen Wehrmacht. Nach einer Nutzung als Internierungslager für ehem. NS-Aktivisten (auch Kriegsverbrecher und Funktionäre; 1945/46) und als Flüchtlingslager (1946-1950) war die Butzbacher Kaserne von 1950 bis 1991 Standort der U.S.-amerikanischen Streitkräfte.
Ganz wesentlich geprägt wurde Butzbach im frühen 19. Jahrhundert durch Dr. Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837), der von 1803 bis 1834 in Butzbach lebte, seit 1812 bis zu seiner Strafversetzung hier als Lehrer wirkte, hier um 1813/1814 das Turnen einführte ("der hessische Turnvater") und als Zentralfigur der oberhessischen Oppositionellen des Vormärz bekannt geworden ist. Er hat mit dem inzwischen zu Weltruhm gelangten Schriftsteller Georg Büchner die berühmte politische Flugschrift "Der Hessische Landbote" verfasst und sie herausgebracht.
F. L. Weidig starb als Opfer der geheimen Kabinettsjustiz im Darmstädter Kerker 1837. Weidigs Wirkung strahlte noch weit über seinen Tod hinaus; mit vielen anderen haben ein großer Butzbacher Schülerkreis, Turnverein und Gesangverein die Erinnerung an ihn wach gehalten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann auch für Butzbach das Zeitalter der Industrialisierung; größere Stücke der Stadtmauer wurden abgebrochen. Die Stadttore waren bereits in der ersten Jahrhunderthälfte gefallen. Glücklicherweise hat sich aber noch ein bedeutender Teil der Stadtbefestigung und des jahrhundertealten Fachwerkbestandes trotz Bombenabwürfen während des Zweiten Weltkrieges bis heute erhalten.
Die hohen Besucherzahlen beweisen die Attraktivität dieser malerischen, reizvollen Landstadt, die als "Perle der Wetterau" bezeichnet wird. Trotz umfangreicher Industriegebiete und seines daraus resultierenden wirtschaftlichen Potentials konnte Butzbach in der Vergangenheit seinen historischen Charakter bewahren und will ihn auch für die Zukunft der Nachwelt erhalten.
(Dr. Dieter Wolf)



